Über uns

Autobiographische Zeugnisse sind wichtige Quellen für die Geschichts- und Kulturforschung, vor allem für die Erforschung der Alltags- und Mentalitätsgeschichte.

Das Deutsche Tagebucharchiv (DTA) mit Sitz im Alten Rathaus von Emmendingen versteht sich als Aufbewahrungsort solcher Zeitzeugnisse aus dem deutschen Sprachraum. Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefe werden dort gesammelt, archiviert, fachgerecht aufbewahrt und sowohl der Wissenschaft als auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Gründerin Frauke von Troschke

Gründerin Frauke von Troschke

Das Deutsche Tagebucharchiv ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein (Satzung) und zählt im Jahr 2016 circa 630 Mitglieder. Ehrenmitglied Frauke von Troschke hat das Archiv 1998 gegründet und stand 18 Jahre lang als Vorsitzende dem Trägerverein vor. Seit April 2016 leitet ein neues Vorstandsteam unter Vorsitz von Marlene Kayen die Geschicke des DTA.
Zentrale Anlaufstelle für die Öffentlichkeit ist die Geschäftsstelle  in Emmendingen mit ihrem Leiter und einer wissenschaftlichen Angestellten. Dort wird die Arbeit der etwa 90 ehrenamtlich Mitarbeitenden koordiniert, deren engagierte und unbezahlte Arbeit die Archivierung und sorgfältige Erschließung der Dokumente überhaupt erst ermöglicht.

Das Archiv finanziert sich vorwiegend aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuwendungen von öffentlichen und privaten Einrichtungen. Eine Dauerfinanzierung ist bisher nicht gewährleistet und es bedarf immer wieder großer Anstrengungen, das jährliche Budget zu sichern.
 2012 wurde eine Stiftung gegründet, deren Erträge langfristig den Bestand zusätzlich sichern sollen.

Der Bestand des Archivs umfasst im Jahr 2016 inzwischen über 16.000 Dokumente von über 3.600 Autoren (Fakten und Zahlen).

Das DTA ist nicht nur Archiv im engeren Sinne. Durch öffentliche Veranstaltungen, wie die „Zeitreise“, ist das Deutsche Tagebucharchiv auch ein Forum für individuelle Lebensgeschichten. Ein kleines Museum  erweitert seit 2014 die Möglichkeit, ausgewählte Dokumente in Wechselausstellungen eigenständig zu betrachten.

Diese Preise wurden dem Deutschen Tagebucharchiv verliehen:

  • Kulturpreis der Stadt Emmendingen im Jahr 2000
  • Wettbewerb „Echt gut! Ehrenamt in Baden Württemberg“ im Jahr 2005 (3.Platz)
  • Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen 2006“ – Auszeichnung als ausgewählter Ort
  • Stiftungspreis der Stiftung Württembergische Hypothekenbank im Jahr 2006


Bild eines Tagebuchs

Welche Dokumente wir sammeln

  • Tagebücher
  • Erinnerungen
  • Briefwechsel (aus Platzgründen nur noch in Ausnahmefällen)
  • Erinnerungsträger, z.B. Fotos oder persönliche Dokumente werden – in geringem Umfang – nur dann als Anlagen zu den autobiografischen Texten entgegengenommen, wenn sie diese wesentlich ergänzen.

Bereits veröffentlichte Texte – mit Ausnahme von Publikationen im Selbstverlag – werden nicht im Archiv registriert, sondern in die Handbibliothek des DTA aufgenommen.

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 Welche Dokumente wir nicht sammeln

  • Terminkalender
  • Gästebücher
  • Poesiealben
  • tabellarische Chroniken
  • erfundene (fiktive) Texte wie Erzählungen, Gedichte oder Romane
  • juristische, ökonomische oder administrative Dokumente, z.B. unfreiwillig verfasste Zeitzeugnisse (Verhöre, Personalakten)
  • Rechnungs- oder Haushaltsbücher

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Was geschieht mit dem Dokument?

Vertrag

Zwischen dem Einsender und dem Archiv regelt ein Vertrag den rechtlichen Status der Übergabe (u.a. Schenkung/ Leihgabe). Vor einer Zusendung von Dokumenten sollte mit dem DTA-Büro Kontakt aufgenommen werden.

Die Autoren, bzw. Einsender müssen damit einverstanden sein, dass die Texte gelesen und inhaltlich ausgewertet werden. Nutzungseinschränkungen müssen im Vertrag eingetragen werden. Texte mit Sperrfristen o.ä. werden nicht angenommen. Die Verantwortung für die persönlichen Rechte dritter Personen, die durch die Erschließung der Dokumente verletzt werden könnten, tragen die Einsender.

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Texterschließung

In einem ersten Arbeitsschritt werden die Dokumente mit einer Signaturnummer eindeutig gekennzeichnet. Es wird ein Verzeichnis mit Angaben zu Typ, Form, Umfang und zeitlicher Zuordnung angelegt, das zusammen mit den vom Einsender gelieferten biographischen Angaben zum Autor in eine Datenbank übertragen wird.

Um die Originale bei der weiteren Nutzung zu schonen werden sie kopiert und danach in säurefreier Kartonage verwahrt.

Viele Tagebücher aus früheren Jahrhunderten bis in die 1940er Jahre wurden in alter deutscher Schrift (Kurrent) verfasst und müssen– zum Teil in monatelanger akribischer Arbeit – zuerst transkribiert werden. Ein Beispiel aus der Transkriptionswerkstatt finden Sie hier.

In einem weiteren Arbeitsschritt erfolgt eine inhaltliche Erschließung. Stichwortartig werden Merkmale zum Inhalt ermittelt und die Charakteristika des Inhalts beschrieben. Dazu gehören auch Ortsangaben, sowie die Erwähnung bedeutender Persönlichkeiten und besonderer Ereignisse.

Alle Angaben werden in einer Datenbank verwaltet, die mit ausgewähltem Datenumfang auch über das Internet zugänglich sind. Das Dokument wird  in die jährliche Broschüre Lebensspuren aufgenommen.

Die hier beschriebene Archivarbeit wird von ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern ausgeführt, die alle verpflichtet sind die Bestimmungen des Datenschutzes und die im Vertrag vereinbarten Nutzungsrechte zu beachten.
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