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Fremdsein – nicht nur in der Fremde

Rückblick auf die 18. Zeitreise des Deutschen Tagebucharchivs

Fremdsein in vielen Facetten war das Thema der beiden Leseabende zur 18. Zeitreise im Deutschen Tagebucharchiv am 18. und 25. November 2016. An beiden Abenden war der prachtvolle Bürgersaal des Alten Rathauses bis zum letzten Platz gefüllt – mit Zuhörern von nah und fern. Jeweils sieben Textauszüge aus Tagebüchern, Erinnerungen und Briefen ab dem 19. Jahrhundert bis ins Jahr 2016 wurden an den beiden unterschiedlich gestalteten Abenden von DTA-Mitarbeitern vorgelesen. Dazu improvisierte das Duo Jazz x 2 mit Regina und Reinhard Stephan an Piano und Trompete passende Jazzmusik. Fremdheit und Integrationsversuche nach Krieg, Flucht und Vertreibung waren ebenso Thema wie der Aufenthalt in einer fremden Kultur, in einer ausbeuterischen Arbeitssituation oder Fremdheitsgefühle innerhalb der Familie.
tagebucharchiv-zeitreise-18-plakatDie Badische Zeitung berichtete über beide Abende. Not oder Neugierde als Vorzeichen, veröffentlicht am Dienstag, 22. November 2016 auf badische-zeitung.de und Fremd – nicht nur in Indien, veröffentlicht am Montag, 28. November 2016 auf badische-zeitung.de.
Begleitend zur 18. Zeitreise erschien die Broschüre fremd – bekannt – vertraut – Tagebücher, Erinnerungen & Briefe von 1844 bis 2016 mit Texten von 18 autobiographischen Schreiberinnen und Schreibern (103 S. 7 Euro plus Versandkosten – hier bestellbar).

Nachlese zur 17. Zeitreise

Familie war im DTA das Thema des Jahres 2015: realisiert in der Ausstellung „Innenansichten“ im Museum im Deutschen Tagebucharchiv, in der Zeitreise-Lesung „Familienbande“ im Bürgersaal des Alten Rathauses und in der begleitenden Textbroschüre.

Insgesamt wählte das Zeitreise- und Ausstellungsteam 50 Tagebücher, Erinnerungen und Briefe aus einem Gesamtbestand von über 5.000 DTA-Dokumenten zum Thema „Familie“ aus, transkribierte erforderliche Textpassagen und setzte sie für die Ausstellung medial und graphisch um. Nachdem die Ausstellung bereits im Juli eröffnet wurde, stellten die Zeitreise-Leseabende im November den Höhepunkt der Beschäftigung mit dem Thema „Familie“ und einen Anziehungspunkt für die Öffentlichkeit dar.
Beide Leseabende waren restlos ausgebucht und das Publikum verfolgte das zweistündige Programm mit großem Interesse. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin, Jutta Jäger-Schenk, führte in das Thema ein und Christa van Husen moderierte routiniert das Programm und erhellte die Lebens- und Familienhintergründe der Autoren, was durch Fotos noch verstärkt wurde.
Das „Kindertrio“ von Julius Klengel (1859-1933), das die Freiburger Musiker Lorenza Lo Iacono an der Violine, Dilshod Nazarov am Cello und Giovanni Piana am Klavier zwischen den Texten vortrugen, verwob sich mit Tagebuchauszügen zu einem harmonischen Ganzen.
Die Zeitreise begann mit den Erinnerungen Emma Eckels an das arbeits- und kinderreiche Leben ihrer Großmutter Mitte des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Norddeutschland, führte über die Briefe der großbürgerlichen Familie Böhmert, in denen Mutter und Vater ihren Sohn Willy mahnen, seine Militärzeit und das anschließende Studium in Tübingen ohne große Ausschweifungen durchzuziehen, bis hin zu Conny Fuhrmann, einer DDR-Bürgerin, die zur Wendezeit Familie und politisches Engagement unter einen Hut zu bringen versucht, was zu reichlich Konfliktstoff führt.

Berührend war der Auftritt von Herta Siebler-Ferry (siehe Beitragsbild), einer 1924 geborenen Freiburgerin, die persönlich aus ihren Erinnerungen an die ausgehenden 1940er Jahre las, in denen sie als junge, alleinstehende Mutter zu ihrer Familie in den Schwarzwald zurückkehrt.