Oft gefragt

Welches ist das älteste und welches ist das jüngste Tagebuch im Archiv?

Das älteste Tagebuch des DTA-Bestandes ist ein württembergischer Schreibkalender. Ein Almanach des Jahres 1760 nutzt Gottlieb Christoph Bohnenberger (1732 – 1807) für seine Buchhaltung und für kurze Notizen. Der Pfarrer aus Neuenbürg im Enzkreis nimmt als Feldprediger am Siebenjährigen Krieg teil und marschiert mit seinem Regiment nach Thüringen und Sachsen. (DTA 1576)

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Die jüngsten Tagebücher stammen aus dem Jahr 2015. Es gibt einzelne Tagebuch-Schreibende, die jeweils den jüngsten Tagebuchband eines Jahres zu Beginn des darauffolgenden als Fortsetzung dem DTA zur Verfügung stellen.

Aus welchen Gründen werden persönliche Lebenszeugnisse im Tagebucharchiv abgegeben?

„Das Dokument sollte für gesellschaftspolitische Arbeiten zugänglich sein!“ – „Es handelt sich um wichtige Informationen über unsere Heimat, die es so nicht mehr gibt.“ – „Der Irakkrieg: Die Leser sollen erkennen, wie wichtig es ist, Kriege zu verhindern!“ – „Garantie für fachgerechte Aufbewahrung.“ – „Um die Autorin nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“ – „Die eindrucksvolle Führung im Deutschen Tagebucharchiv hat mich dazu bewogen.“ – „Das Tagebuch ist ein hochinteressantes Zeitdokument, das als Grundlage für einen Geschichtsunterricht genutzt werden könnte.“

Warum schreiben die Verfasser Tagebuch?

Ein junges Mädchen schreibt am 2. Juli 1870 in ihr Tagebuch (DTA 993): „Ich will versuchen, so genau wie ich kann alles das aufzuschreiben, was ich bisher erlebt, gedacht und empfunden habe. Vielleicht hat dieses kleine Tagebuch noch den Zweck, dass ich mir über alles so recht klar werde.“

Eugen H. schreibt 1993 in seinen Lebenserinnerungen (DTA 26,2 ): „Seit jenen Erlebnissen sind nun bald 50 Jahre verflossen. Ich bin jetzt 82 Jahre alt, möchte aber diese Welt nicht verlassen, ohne meine damaligen Erfahrungen niedergeschrieben zu haben. Ich weiß, dass man immer wieder sagt: Kriegserlebnisse wollen wir nicht hören! Unseren Kindern und Enkeln würde jedoch viel verloren gehen, wenn wir ihnen nicht schriftlich hinterlassen würden, was wir in jener dunklen Zeit mit Gott erlebt haben.“

Bild eines Mannes mit einem neuen Fahrrad

Dietmar R. mit Fahrrad

Dietmar R. (DTA 999) formuliert 1986 seine Gedanken über das Tagebuchschreiben so: “So ein Tagebuch ist eine eigenartige Sache. Einerseits ist das Festhalten dessen, was ist, ein Akt der Befreiung, der Schreiber verschafft sich Luft und klärt seine Gedanken. Andererseits hat man sich als Chronist unter Umständen eine drückende Bürde auf die Schulter geladen, nämlich dann, wenn man sein Vorhaben allzu ernst nimmt.“
Ein Jahr später schreibt er: „Ein Tagebuch, was ist das eigentlich? Ganz sicher muss es nicht unbedingt Bedeutendes enthalten. Sein Inhalt darf durchaus ein Sammelsurium von Gedanken und Erlebtem sein. Damit ist es auch ein geistiger Abfallhaufen seines Schreibers. Vor allem aber sollte das Schreiben eines Tagebuches sehr persönlich und ehrlich betrieben werden. Wenn wir einen Brief formulieren, korrespondieren wir mit Verwandten, Freunden, Bekannten oder Geschäftspartnern. Wenn wir dagegen ein Tagebuch führen, korrespondieren wir mit uns selbst. Es gleicht einer großen Pappschachtel, in die man seine persönlichste Habe zur Aufbewahrung legt“.

Annette B. notiert als 15jährige in ihr Tagebuch (DTA 448): „Ich begann heute, am 17. Juni 1951, dieses Tagebuch, weil ich jemand brauche, dem ich auch mein Innerstes zeigen kann.“

Auf dem Gefängnisboden in Lauenburg beginnt Karin G. am 26. März 1945 zu schreiben (DTA 784,1): „Heute habe ich beschlossen Tagebuch zu führen, obwohl ich es niemals vorher in meinem Leben getan habe. Aber dies ganze Unglück, das jetzt über uns gekommen ist, will ich doch versuchen in kurzen Worten festzuhalten. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich noch einmal gerettet werden und meine Lieben wiedersehe. Und Einzelheiten vergisst man so schnell. Darum will ich alles aufschreiben.“

Welche Schwerpunkte weist der Sammelbestand auf?

Die Erlebnisse während und nach den beiden Weltkriegen bilden einen inhaltlichen Schwerpunkt vieler Dokumente. Auch die Themen Kindheit und Jugend, Beruf, Reisen und Liebe kommen sehr häufig vor. Auch Lebenszeugnisse aus der ehemaligen DDR treffen im DTA ein.

Schreiben mehr Frauen oder  mehr  Männer Tagebuch?

Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Verfassern der autobiografischen Dokumente, die dem Deutschen Tagebucharchiv bisher übergeben wurden, beträgt etwa 55 : 45.

Was geschieht mit einem eingesandten Dokument?

Jedes Dokument durchläuft einen mehrstufigen Archivierungs- und Erschließungsprozess, der mit einer vertraglichen Übergabe beginnt und mit der Aufnahme in die Datenbank und in die jährliche Broschüre Lebensspuren endet. Das Dokument steht dann für Recherchen zur Verfügung.

Dürfen Spontanbesucher in den Tagebüchern des Archiv lesen?

Nein. Das DTA archiviert die Tagebücher in säurefreien Archivboxen und bewahrt sie fachgerecht auf. DTA-Mitarbeiter fertigen Kopien der Tagebücher an, die gebunden in einer Präsenzbibliothek für Recherchen zur Verfügung stehen. Verträge mit den Einsendern und den Recherchierenden regeln die Nutzung.
Wer in Tagebüchern oder Erinnerungen lesen möchte, kann dies in der Leseecke tun oder Broschüren zu verschiedenen Themen kaufen. Für die anonymisierten Auszüge aus Tagebüchern in diesen Broschüren liegt die Zustimmung der Einsender zur Veröffentlichung vor.
Darüberhinaus gibt die aktuelle Ausstellung im Museum im Deutschen Tagebucharchiv Einblick in das Sammelgut des DTA.