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Autorinnenlesung

Annegret Braun, promovierte Kulturwissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, recherchierte im Deutschen Tagebucharchiv zu Partnersuchenden und ihren Geschichten.
Ihr neues Buch ist eine unterhaltsame und erkenntnisreiche Kulturgeschichte der Partnersuche und des Heiratsmarktes der letzten Jahrhunderte bis heute. Lebendige Beispiele aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten, aus Heiratsannoncen, Interviews, Briefen und Tagebüchern bereichern das Buch.
Die Autorin liest auf Einladung des DTA am Dienstag, 28. März 2017 um 19.30 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses (Marktplatz 1, Emmendingen) aus ihrem Buch Mr. Right und Lady Perfect – Von alten Jungfern, neuen Singles und der großen Liebe. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.
(Buchcover ©Lambert Schneider Verlag)

Liebes Tagebuch

Die Sendung (25 min) von Juliane Ziegler mit dem Untertitel „Von wertvollen Zeitdokumenten bis zum Therapeuten in der Schublade“ wurde aktuell vom Rundfunk Berlin-Brandenburg übertragen. Sie kann in der Mediathek des Senders nachgehört werden. ->Link

Öffnungszeiten

Das Deutsche Tagebucharchiv und das Museum im Deutschen Tagebucharchiv haben die folgenden Öffnungszeiten. (Bitte beachten Sie die besonderen Museums- und Bürozeiten in der Fasnachtszeit.)

Geschäftsstelle
Montag bis Freitag 10.00 Uhr – 12.00 Uhr
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag 14.00 Uhr – 16.00 Uhr
Museum
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag 14.00 Uhr – 16.00 Uhr

Zur Übergabe von Dokumenten sowie zur Voranfrage für eine Gruppenführung wenden Sie sich bitte an die Geschäftstelle.

Transkription der ersten Seite des Tagebuchs eines lutherischen Pfarrers aus Sachsen

Dr. Gertrud Lütgemeier gab einen Einblick in die Transkriptionsarbeit am Beispiel eines Tagebuchs aus dem 19. Jahrhundert, geschrieben von Friedrich S. (sig.3700), einem lutherischen Pfarrer aus Grimma in Sachsen.

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Zwickau 20 Juni 1857
19 Juni 1857 Nach 3 Uhr auf. Um 5 U. Aug. Winklers Beerd.[igung]
Gott laß uns gewissenhaft pp und : die Gnade unseres pp communica
tiv. Alsbald Abschied von den geliebten Meinen, nachdem ich
bei den Gräbern gewesen – nehme nicht Frieden mit aus mei
ner stillen Stube, sondern mehr Unterwerfung, Hinweisung
auf einen erst zu erringenden Standpunct. Von Grimma
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bis Lausigk fast lese ich Matth. 10, Liebners Ansprache1 nomals,
die Visitationsordn. z. Th. und die Fragbogen. Dann mit meiner
Reisegefährtin, der Schwiegermutter des Glockengießers in
Golzern, kurzes Gespräch. Aus Großpöhla bei Grünstädtel, Mutter
v 17 Kindern von denen das 9.und das 14. leben. Glaubt
nun, daß die Kirchenvis. vorm Jahr bei ihnen gewesen. Sieht
1Karl Theodor Albert Liebner (* 3. März 1806 in Schkölen; † 24. Juni 1871 in Merane) war ein deutscher lutherischer Theologe, Philologe und Historiker. Professor für Theologie 1851 in Leipzig, 1855 Oberhofprediger und Vizepräsident des Landeskonsortiums in Dresden. Er veranlasst die seit 1856 durchgeführten „allgemeinen Kirchenvisitationen“ im Königreich Sachsen.
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das bei Etzoldshain erfrorene Kartoffelkräutich2 mit Schrecken:
„Wie mags da im Gebirg sein?“ reist zur Hochzeit ihrer Nichte nach
Stößberg. – Von Lausigk aus Geraerin, welche Fürbringens einig
ermaßen kennt unsere Anna aber nicht; rühmt v. Eringern
sehr, habe bei Hohen und Niedern Anerkennung gefunden – möge
nun auch der Herr ihn kennen: ich kenne die Meinen und bin be
2Kartoffelkraut
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kannt den Meinen. Öftere Meditationsversuche, die immer
gleichwie im Nichts zerfließen. In Borna bei Proclamator Winter
wegen Anna’s u Marias Rentenbriefen. Erfüllt von 50 auf 100
könnten sie nicht sein. In Borna finde ich glücklich meinen ver
mißten Schirm vor unter den Gepäckstücken, wie in Grimma den
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gesuchten Reisetaschenschlüssel in meiner Westentasche. Mein vis
a vis von Borna bis Kieritzsch Frau P. Gellert aus Hirtsbach im
Voigtl. geb. Göbel aus Kittschen. Recht erfreulich, aber auch zu
erneuten Besorgnissen, wegen der Kirchenvisitation führend, welche
Florig voriges Jahr bei ihnen gehabt, während in der Nachbarschaft
D. Ahlfeld, für den sie ganz hingenommen. In Kieritzsch 1 Stunde
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Aufenthalt, dann geräumiges Zwickau-coupé, nur 2 xx Halberst.
Damen. Von Crimitschau voller. Junger Maschinenbauherr, der das
Joch in seiner Jugend getragen. Zwickau, Tanne. Gott sei gelobt, stille
freundl. Stube! Mein Erstes, Brief an m.l. Cl.3 Den trage ich dann auf
die Post mit den heute noch in Hohenstdt geschriebenen Zeilen mit d Casual
reden4 an m.l. Bruder in Treuen5 . Dann auf die Sup., wo eben Prof.
Brückner6 Abschied nimmt. So kann ich ihn doch noch sprechen. Ist im Ganzen
befriedigt, hat überall nach Missions- Bibelges.schft gefragt, nichts ihm Auf-
3„meine liebe Clara“ – die Frau des Pfarrers
4Predigten zu besonderen Anlässen, z.B. Leichenreden, Trauungsreden ..
5Treuen ist eine Kleinstadt im sächsischen Vogtlandkreis
6Benno Bruno Brückner (* 9. Mai 1824 in Roßwein; † 2. Mai 1905 in Berlin) war ein deutscher lutherischer Theologe.

s. auch den Bericht Blick in die Transkriptionswerkstatt

Tagebuch in XXL

Der Freiburger Künstler Tom Brane hat im Auftrag der Stadt ein riesiges Graffito gegenüber dem Emmendinger Bahnhof gestaltet.
Kernmotiv ist eine Tagebuchschreiberin, die mit einem Füller in weiten Schwüngen die Seiten eines fiktiven Tagebuchs beschreibt. Ihren Aufzeichnungen entsteigen lokalgeschichtliche Darstellungen, Motive des Lebens, der Liebe und des Todes. Das Alte Rathaus und das Emmendinger Tor fehlen ebenso wenig wie Marie Antoinette auf ihrem Hochzeitszug, badische Revolutionäre oder die Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit seinen Luftangriffen und die Besatzungszeit. Daneben stehen Abschiedsszenen am Bahnhof, ein Kuss, ein Heiratsantrag oder Regionales wie die Fasnet oder Fußball. „Emmendingen ist ja die Stadt der Tagebücher“, sagt Tom Brane, „und im Grunde ist jede Stadt ein Tagebuch. Man sieht in ihren Bauwerken und Zeitzeugnissen, was sie erlebt hat. Während die Frau schreibt, wird sie schon Teil eines neuen Tagebuchs“.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft

Im Continental Enclosure n°19, einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager für deutsche Soldaten in Foucarville beginnt der ehemalige Stabsflugzeugführer Anton Riediger (1899-1959) Tagebuch zu schreiben. Er schildert das Leben in diesem und dem Gefangenenlager n°15 bis zu seiner Entlassung 1946.

Im Sommer 2016 wird auf Initiative des Conseil communal de Foucarville im AIRBORNE MUSEUM, im benachbarten Sainte-Mère-Eglise, die Ausstellung Un camp de prisonniers allemands à Foucarville, 1944-1947 eröffnet und sein Tagebuch (DTA 2075) findet – dank der Zustimmung seiner Familie – als Leihgabe den Weg in das Museum.

(Das Bild des Ausstellungsplakats wurde der Museumswebsite entnommen; das Video freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt.)

Tagebuch von Anton Riediger (r.u.)

Tagebuch von Anton Riediger (r.u.)

Die Gründerin des Tagebucharchivs nimmt Abschied

Nach 18 Jahren gibt Frauke von Troschke den Vorsitz in die Hände eines neuen Leitungsteams. Dem DTA bleibt sie als Ehrenmitglied weiterhin verbunden!

Die Landesschau des SWR Baden-Württemberg bat Frauke von Troschke als Studiogast auf das rote Sofa: sie berichtet von ihrem erfolgreichen Bemühen, den Geschichten vieler Menschen und ihrer schriftlich festgehaltenen Schicksale eine Heimat zu geben und sie damit der Anonymität und dem Vergessen zu entreißen.

Europäische Tagebucharchive

Am 5. Juni 2015 fand auf Initiative des niederländischen Tagebucharchivs ein Treffen zur Gründung eines Netzwerkes der Europäischen Tagebucharchive statt.

Teilnehmende Archive aus Italien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Ungarn, Österreich und Großbritannien schlossen sich zum EDAC zusammen, das ist hier die Abkürzung von European Diary Archives and Collections.

Ein erstes Projekt ist die Erstellung einer gemeinsamen Website mit Text-Auszügen aus den jeweiligen Archiven und in der jeweiligen Sprache aus der Mitte des Jahres 1950.

Warum wurde dieser Zeitraum ausgewählt? Vor 65 Jahren, im Mai 1950, gab der damalige französische Außenminister Robert Schuman seine Erklärung für eine Zusammenlegung der deutschen und französischen Kohle- und Stahlproduktion ab. Der so genannte Schuman-Plan erwies sich als wichtigste Grundlage für den Prozess der europäischen Integration, die uns heute ermöglicht, ganz selbstverständlich auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten.

Die Anfänge der Zusammenarbeit der bestehenden europäischen Tagebucharchive sind gemacht und können im Internet unter edac-eu.eu begleitet werden.

Deutsch-japanische Beziehungen

Ein Auszug aus der Fachzeitschrift „Nichidoku bunka koryushi kenkya (Studien über die deutsch-japanischen Beziehungen)“ Nr. 14 wurde dem Deutschen Tagebucharchiv aus Tokio gesandt. Die Historikerin Aya Puster recherchierte im vergangenen Jahr im DTA und entdeckte die Tagebücher des Seesoldaten Franz L.
Dieser wird 1907 nach Tsingtau (Kiautschou) in China eingeschifft und dient dort als Soldat bis zur Eroberung der Kolonie durch die japanische Armee im Herbst 1914. Ausführlich schreibt er über die Geschichte dieser deutschen Kolonie, den Aufbau der Infrastruktur, die militärischen Einrichtungen und die Situation anderer europäischer Kolonien in China. (siehe auch: Bundesarchiv Die Entstehung der Musterkolonie Kiautschou)

Die Kopien, die Frau Puster im Tagebucharchiv anfertigte, werden nun im Historischen Archiv des Erziehungsausschusses der Stadt Kurume in Japan aufbewahrt.

ein Ausschnitt aus dem Ausstellungsplakat

Neue Ausstellung im Museum

Innenansichten – 200 Jahre Familie in Tagebüchern und Briefen:

Seit dem 19. Juli 2015 zeigt das Museum im Deutschen Tagebucharchiv autobiografische Zeitzeugnisse zum Thema Familie.

Die Ausstellung beleuchtet das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und gibt mit Auszügen aus ausgewählten Tagebüchern, Erinnerungen und Briefen Einblick in den kontinuierlichen Prozess des gesellschaftlichen Wandels im Lauf der letzten 200 Jahre (badische-zeitung).